Gedankenkarussell stoppen mit 7 einfachen Methoden

Person am Abend mit kreisenden Gedanken und dem Wunsch, das Gedankenkarussell zu stoppen
Person am Abend mit kreisenden Gedanken und dem Wunsch, das Gedankenkarussell zu stoppen

Du willst eigentlich nur abschalten. Dann fällt dir dieses Gespräch von heute wieder ein, und schon überlegst du, was du anders hättest sagen können.

Von dort springt dein Kopf zu morgen. Zur Arbeit, zu einer Entscheidung, zu einer Rechnung oder zu etwas, das vielleicht passieren könnte. Zehn Minuten später denkst du über Dinge nach, die du in diesem Moment sowieso nicht lösen kannst.

Wenn du dein Gedankenkarussell stoppen möchtest, bringt der Satz „Jetzt denk doch einfach nicht mehr daran“ meistens wenig. Dein Kopf hat leider keinen Ausschalter, den du nur finden und umlegen musst.

Was du aber lernen kannst, ist früher zu merken, wann du anfängst, dich im Kreis zu drehen. Genau dabei können dir die folgenden sieben Methoden helfen.

Warum sich ein Gedankenkarussell so schwer stoppen lässt

Nachdenken gehört zu unserem Alltag. Du brauchst es, um Entscheidungen zu treffen, Probleme zu lösen und deinen nächsten Schritt zu planen.

Der Unterschied liegt oft darin, ob du beim Nachdenken irgendwo ankommst.

Du überlegst zum Beispiel, wann du einen wichtigen Anruf erledigen kannst. Nach ein paar Minuten steht fest: Morgen um neun Uhr rufst du an.

Damit ist etwas entschieden.

Beim Grübeln passiert etwas anderes. Du gehst dieselbe Frage immer wieder durch, obwohl keine neue Information dazukommt und du auch beim fünften Durchgang noch an derselben Stelle stehst.

In der Forschung wird dafür unter anderem der Begriff „repetitives negatives Denken“ verwendet. Gemeint sind wiederkehrende Gedanken über belastende Themen, die sich häufig um die Vergangenheit oder mögliche Probleme in der Zukunft drehen.

Vielleicht kennst du das nach einem Gespräch.

Du weißt genau, was gesagt wurde. Trotzdem hörst du einzelne Sätze wieder in deinem Kopf und überlegst, was der andere damit gemeint haben könnte.

Irgendwann suchst du keine Lösung mehr. Du läufst nur noch dieselbe Runde.

Gedankenkarussell stoppen beginnt mit etwas Abstand

Nicht jeder Gedanke verlangt sofort eine Antwort.

Das ist leichter gesagt als gemacht, weil sich manche Gedanken ziemlich wichtig aufführen. Sie tauchen auf und vermitteln dir das Gefühl, du müsstest dich jetzt sofort darum kümmern.

Du musst aber nicht jedem Gedanken hinterherlaufen.

Manchmal reicht es, kurz zu erkennen: Da ist gerade wieder diese Sorge. Oder dieses Gespräch. Oder diese Frage, für die ich im Moment keine Antwort habe.

Bei Sorgen kann es helfen, Gedanken aufzuschreiben, zwischen lösbaren Problemen und Dingen außerhalb der eigenen Kontrolle zu unterscheiden und für wiederkehrende Sorgen einen eigenen Zeitpunkt einzuplanen.

Das kannst du erstaunlich einfach in deinen Alltag holen.

1. Schreib den Gedanken aus deinem Kopf

Nimm ein Blatt Papier, ein Notizbuch oder zur Not die Notizen auf deinem Handy.

Schreib einen Satz auf.

„Ich habe Angst, dass morgen etwas schiefgeht.“

Oder:

„Ich denke schon wieder über dieses Gespräch nach.“

Du musst daraus keinen Roman machen und auch nicht gleich herausfinden, warum du so denkst. Für den Anfang hast du nur festgehalten, was gerade in deinem Kopf herumläuft.

Das kann einen Unterschied machen, weil du den Gedanken nicht mehr ständig wiederholen musst, damit du ihn bloß nicht vergisst.

Das Aufschreiben von Sorgen kann ein erster Schritt sein, bevor du sie einzeln betrachtest und entscheidest, was damit passieren soll.

Aufgeschriebene Gedanken in einem Notizbuch gegen Grübelschleifen

2. Frag dich, ob du gerade etwas lösen kannst

Diese eine Frage kann erstaunlich viel sortieren.

Kann ich daran jetzt konkret etwas ändern?

Nehmen wir an, du machst dir Sorgen wegen einer Rechnung.

Wenn du sie bezahlen kannst, kannst du festlegen, wann du es machst. Wenn etwas unklar ist, kannst du notieren, dass du morgen dort anrufst.

Dann hast du einen nächsten Schritt.

Vielleicht beschäftigt dich aber auch eine Frage wie:

„Was ist, wenn mein Gespräch morgen schlecht läuft?“

Du kannst dich vorbereiten. Du kannst dir überlegen, was du sagen möchtest. Du kannst aber heute nicht wissen, wie ein anderer Mensch morgen reagieren wird.

Genau dort beginnt der Unterschied zwischen einem Problem, das du bearbeiten kannst, und einer Sorge, die du durch weiteres Nachdenken gerade nicht lösen wirst.

Gibt es etwas, das du tun kannst, wird daraus eine konkrete Handlung. Gibt es im Moment nichts zu tun, wird die Sorge zunächst beiseitegelegt.

3. Gib deinem Grübeln einen festen Zeitpunkt

Mit dem eigenen Kopf einen Termin zu vereinbaren klingt zunächst ein wenig merkwürdig.

Trotzdem kann es helfen.

Du legst zum Beispiel fest, dass du dir am späten Nachmittag 15 Minuten Zeit für alles nimmst, was dich beschäftigt.

Wenn um elf Uhr morgens wieder derselbe Gedanke auftaucht, musst du ihn nicht bekämpfen.

Du kannst ihn kurz notieren und dir sagen:

Darum kümmere ich mich später.

Diese Technik wird auch als „Worry Time“ bezeichnet. Der Gedanke bekommt seinen Platz, statt über den ganzen Tag immer wieder aufzutauchen und jedes Mal eine neue Runde zu starten.

Vielleicht fühlt sich das am Anfang künstlich an. Das ist in Ordnung, weil du deinem Kopf gerade etwas Neues beibringst.

Du verbietest den Gedanken nicht. Du entscheidest nur, wann du dich mit ihm beschäftigst.

4. Hol deine Aufmerksamkeit zurück in den Raum

Beim Grübeln bist du mit deinen Gedanken häufig entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft.

Dein Körper sitzt vielleicht gerade auf dem Sofa, während dein Kopf noch in dem Gespräch von gestern steckt.

Dann kannst du deine Aufmerksamkeit bewusst zu dem zurückholen, was gerade um dich herum passiert.

Schau dich im Raum um.

Nenne fünf Dinge, die du siehst. Hör danach auf drei Geräusche und achte anschließend auf zwei Dinge, die du an deinem Körper spürst.

Vielleicht sind es deine Füße auf dem Boden oder dein Rücken an der Stuhllehne.

Du versuchst dabei nicht, den Gedanken verschwinden zu lassen. Du entscheidest nur für einen Moment, wohin deine Aufmerksamkeit geht.

Achtsamkeit, Bewegung und Atemübungen können dabei helfen, den Fokus wieder stärker auf die Gegenwart zu richten.

5. Nutz deinen Atem als festen Punkt

Du brauchst keine komplizierte Atemtechnik und musst dabei auch nichts Besonderes erreichen.

Atme ruhig ein.

Dann lass die Ausatmung etwas länger werden als die Einatmung. Du kannst zum Beispiel vier Sekunden einatmen und sechs Sekunden ausatmen, sofern sich das für dich angenehm anfühlt.

Mach das ein paar Atemzüge lang.

Dein Kopf wird zwischendurch wahrscheinlich wieder anfangen zu denken. Genau das darf er.

Du bemerkst es und gehst mit deiner Aufmerksamkeit zurück zum nächsten Atemzug.

Der Atem soll deinen Kopf nicht leer machen. Er gibt deiner Aufmerksamkeit nur einen festen Punkt, zu dem du zurückkehren kannst.

6. Gib dem Gedanken einen Namen

Manche Gedanken kennst du irgendwann so gut, dass du schon weißt, wie die nächsten fünf Minuten aussehen werden.

Da kommt wieder die Sorge wegen morgen.

Da läuft wieder das Gespräch von gestern.

Dann benenne genau das.

„Da ist wieder mein Morgen-Gedanke.“

Oder:

„Da läuft wieder dieses Gespräch.“

Damit verändert sich eine Kleinigkeit.

Aus „Morgen geht bestimmt alles schief“ wird „Ich habe gerade den Gedanken, dass morgen alles schiefgehen könnte“.

Der Gedanke ist noch da, aber du stehst nicht mehr ganz so dicht daneben.

Beim Umgang mit wiederkehrendem negativem Denken kann das Erkennen solcher Muster helfen, mehr Abstand zu ihnen zu bekommen.

7. Wechsel bewusst die Tätigkeit

Du sitzt seit zwanzig Minuten auf dem Sofa und führst dasselbe Gespräch zum vierten Mal in deinem Kopf.

Dann steh auf.

Hol dir ein Glas Wasser, geh ein paar Minuten vor die Tür oder mach etwas Kleines in der Wohnung.

Du musst keine große Beschäftigung daraus machen.

Der Sinn besteht darin, die Situation körperlich zu verändern und deiner Aufmerksamkeit etwas anderes zu geben.

Wenn du anschließend wieder über das Thema nachdenken möchtest, kannst du das tun. Häufig merkst du nach einer kurzen Unterbrechung aber schon klarer, ob es überhaupt noch etwas zu lösen gibt.

Bewegung und Tätigkeiten, die den Fokus verändern, können dabei helfen, wieder etwas Abstand zu Sorgen zu bekommen.

Was dein Gedankenkarussell oft noch länger laufen lässt

Versuch nicht, einen Gedanken mit aller Kraft aus deinem Kopf zu drücken.

Wenn du dir immer wieder sagst, dass du auf keinen Fall an dieses Gespräch denken darfst, beschäftigst du dich weiterhin mit genau diesem Gespräch.

Auch endloses Analysieren bringt irgendwann keine neue Antwort mehr.

Du kannst ein Gespräch sechsmal durchgehen. Beim siebten Mal taucht meistens keine geheime Information auf, die sich bei den ersten sechs Durchgängen geschickt versteckt hatte.

Ähnlich ist es mit der Suche nach vollständiger Sicherheit.

Du kannst dich auf morgen vorbereiten. Du kannst planen und Entscheidungen treffen, aber du kannst nicht vorher wissen, wie jede Situation ausgehen wird.

Manchmal ist genau diese offene Stelle das, woran sich dein Kopf festhält.

Wenn dein Gedankenkarussell dich immer wieder stark belastet

Ein paar unruhige Tage oder Nächte bedeuten nicht automatisch, dass etwas mit dir nicht stimmt.

Wiederkehrendes Grübeln kann aber belastend werden, wenn es viel Raum einnimmt und deinen Alltag einschränkt. Ausgeprägtes Grübeln kann auch im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen vorkommen, und wiederholtes negatives Denken findet sich unter anderem bei Angst und Depression.

Wenn du über längere Zeit kaum noch zur Ruhe kommst, dein Schlaf darunter leidet oder deine Gedanken deinen Alltag bestimmen, hol dir professionelle Unterstützung. Du musst damit nicht warten, bis es kaum noch geht.

Gedankenkarussell stoppen braucht manchmal mehrere Anläufe

Probier heute nicht alle sieben Methoden gleichzeitig aus, denn dann hast du am Ende nur ein neues Projekt für deinen Kopf gebaut.

Nimm eine.

Schreib einen Gedanken auf. Frag dich, ob du jetzt etwas daran ändern kannst, oder richte deine Aufmerksamkeit für ein paar Minuten bewusst auf etwas anderes.

Wenn du dein Gedankenkarussell stoppen möchtest, musst du deinen Kopf nicht vollkommen leer bekommen. Es reicht zunächst, wenn du früher bemerkst, dass du wieder dieselbe Runde läufst, weil genau dort die Möglichkeit entsteht, etwas anders zu machen.

Wenn dein Kopf besonders nachts weiterdenkt, lies als Nächstes „Gedankenkarussell nachts mit 5 einfachen Übungen stoppen“.

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